Diözesan-Caritasverband Freiburg, 09.02.2012

Armut schränkt die Gesundheit von Kindern ein

Mit ihrer Jahreskampagne macht die Caritas auf den Zusammenhang von Armut und Gesundheit aufmerksam ? 23. Caritas-Journalistenpreis vergeben

Stuttgart, 9. Februar – Arme Menschen haben ein deutlich höheres Risiko, krank zu werden. Ihr Budget ist klein und daher schieben sie schon mal den notwendigen Arztbesuch auf, um die Praxisgebühr zu sparen. Vor allem für Kinder in armen Familien stehen die Chancen auf Gesundheit schlecht. Sie haben eine geringere Lebenserwartung als Gleichaltrige, die in finanziell gesicherten Verhältnissen aufwachsen. "Armut ist der wichtigste Faktor, der eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einschränkt", erklärte der Münchner Sozialpsychologe Professor Heiner Keupp gestern beim Jahresauftakt der Caritas in Baden-Württemberg im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart. Wolle man Gesundheit wirksam fördern, brauche es "eine Politik effektiver und nachhaltiger Armutsbekämpfung". Die Gesundheit eines Menschen dürfe sich nicht an seinem Geldbeutel und seinem sozialen Netz entscheiden, in das er eingebunden ist. Erst recht nicht für Kinder, fordert der katholische Wohlfahrtsverband im Land mit seiner Jahreskampagne "Armut macht krank – Jeder verdient Gesundheit".

Die Schere zwischen denjenigen, die sich Gesundheit leisten können, und denen, die sie sich nicht leisten können, gehe deutlich wahrnehmbar auseinander, warnte Caritasdirektor Monsignore Bernhard Appel (Freiburg) vor rund 200 Gästen aus Politik, Medien, Kirche und Wissenschaft. Mit der Caritas-Jahreskampagne 2012 verband Appel die Forderung nach Gesundheit für alle Menschen, egal welcher Einkommensgruppe sie angehörten. Er machte klar, dass arme Menschen verletzbarer und anfälliger für Krankheiten seien. "Existenzsorgen, schwierige Lebenslagen und fehlende soziale Netzwerke führen zum Anstieg psychischer und körperlicher Erkrankungen."

Je größer die Schere zwischen arm und reich, umso kränker die Bevölkerung

Der Münchner Sozialpsychologe Keupp forderte massive Armutsbekämpfung, da das Auseinanderklaffen der Schere zwischen arm und reich sich negativ auf den psychosozialen und gesundheitlichen Status der Bevölkerung auswirke. "Der entscheidende Punkt ist nicht mehr der materielle Lebensstandard. Es geht vielmehr um die psychosoziale Lebensqualität, die durch materielle Gleichheit unterstützt werden muss", bilanzierte Keupp. Er propagierte im Haus der Katholischen Kirche eine Politik, die es möglich macht, ein Leben zu führen, für das sich ein Mensch selbst entscheiden kann. Die Basis dafür seien materielle aber auch soziale, psychische und symbolische Ressourcen. 

Die Überschrift der Caritaskampagne "Jeder verdient Gesundheit" versteht Caritasdirektor Prälat Wolfgang Tripp (Stuttgart) als Programm: "Wollen wir eine intakte Gesellschaft, müssen wir unseren Kindern ein gesundes Aufwachsen ermöglichen. Dafür machen wir uns als Caritas in Baden-Württemberg mit unseren Einrichtungen und Diensten, aber auch als Solidaritätsstifter stark." Mit Blick auf den Journalistenpreis, der an diesem Abend zum 23. Mal vergeben wurde, lobte Tripp journalistisches Feingefühl: "Es ist beruhigend zu wissen, dass sich die Medien den sozialen Fragen unserer Gesellschaft mit großer Sensibilität zuwenden."

Caritas-Journalistenpreis würdigt herausragende publizistische Leistungen

Den Sinn für die soziale Dimension in der Gesellschaft wach halten und schärfen – das gelang den Journalisten vortrefflich, die mit dem 23. Caritas-Journalistenpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet wurden.

Den mit 3.000 Euro dotierten ersten Preis des Wettbewerbs erhielt Frank Buchmeier, Redakteur der Stuttgarter Zeitung. In seiner Serie "Lebzeiten" lässt er fünf Menschen zu Wort kommen, deren Lebenstage gezählt sind. Entstanden sind berührende Aufzeichnungen von großer Tiefe, die ein existentielles, aber in unserer Gesellschaft weitgehend immer noch tabuisiertes Thema sensibel und unaufdringlich den Lesern über die tägliche Zeitungslektüre nahebringen: "Habe ich ein erfülltes Leben?"

Der zweite Preis mit einem Preisgeld von 1.000 Euro geht an den Radiojournalisten Patrick Batarilo für seine Hörfunk-Reportage "Stuttgart von unten – 24 Stunden mit Paul auf Platte" in SWR2-Dschungel. Batarilo gelang ein Dokumentarstück auf Hörspielniveau, mit dem er Sympathie für Verlierer, für Menschen am Rande weckt. Ebenfalls mit einem zweiten Preis ausgezeichnet wurde Jo Frühwirth für seinen Film "Letzte Ausfahrt Hofgut. Schwierige Jungs mit neuen Perspektiven". Der SWR-Filmemacher zeigt eindrücklich das schwierige Unterfangen, wie in einer Caritas-Einrichtung der Jugendhilfe gestrandete Jungs wieder zu einem ordentlichen Lebensrhythmus kommen. Zu sehen, wie die jungen Menschen sich vor der Kamera öffnen und dem Autor vertrauensvoll ihre Geschichte erzählen, zeugt von einem hohen persönlichen Einsatz des Filmemachers.

Mit einer "Lobenden Erwähnung" wurde die Regionalredaktion Tuttlingen der Schwäbischen Zeitung für die elfteilige Serie "Das Hospiz am Dreifaltigkeitsberg" in Spaichingen (Landkreis Tuttlingen) bedacht. Die Redaktion verband die Serie mit ihrer Weihnachtsaktion, so dass mit einem überraschenden Spendenergebnis die Eröffnung des Hospizes unterstützt werden konnte.

Der fünfköpfigen unabhängigen Jury aus Fachjournalisten lagen 92 Beiträge aus Presse, Hörfunk und Fernsehen vor.

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